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Posts from the ‘LifeWork’ Category

Etwas Leichtigkeit – Übersetzung: Matthias Liesenhoff

Herr Yamamoto hatte einen langen Tag.

Endlich am Ende angelangt, steigt er auf sein Fahrrad und schlängelt sich durch enge Straßen, gesäumt von alten, staubigen Läden und verwitterten Holzhäusern. Es ist Winter, 18:30 und bereits dunkel. Schwere weiße Schneeflocken fallen in Zeitlupe durch einen indigoblauen Himmel, so wie sie es in Kyoto seit 1400 Jahren tun.

Aus den Nebenstraßen des alten Kyoto taucht Herr Yamamoto auf wie in eine andere Welt; weite Straßen voller vertikaler Neonreklamen, große LED Werbeflächen, Hochhäuser von Finanzinstituten und teure Kaufhäuser. Er hält an vor einem 7-Eleven, schnappt sich ein Bento und eine Packung Butterkekse zum Teilen während der Pause, steigt wieder auf sein Fahrrad und bemerkt, dass er spät dran ist.

Herr Yamamoto ist ein 50-jähriger Mathelehrer an einer Oberschule, der vom Ruhestand träumt. In seiner verschlissenen Leder-Aktentasche, die nun scheinbar erschöpft in seinem Fahrradkorb ruht, sind die Klausuren seiner Schüler, die er später in der Nacht noch benoten wird, denn an diesem Abend wird er selbst an einem Unterricht teilnehmen, einer Klasse für sich selbst.

Herr Yamamoto hofft, mehr über seinen Körper zu lernen. Er möchte mehr Energie haben. Er möchte etwas Spaß haben, sich etwas Gutes tun. Der Empfehlung eines Freundes folgend, hat er sich gegen seine Vernunft angemeldet für eine Reihe von Stunden in Alexandertechnik.

Etwa zwölf Schüler haben sich versammelt, Männer und Frauen, alte und junge, größtenteils Menschen, die sich einfach lebendiger fühlen wollen, ein bisschen leichter, ein bisschen glücklicher.

An diesem Abend habe ich mit den Schülern gearbeitet an Tätigkeiten, die sie im Beruf ausführen müssen; an Dingen, die sie nicht gerne tun. Ich arbeitete mit einem Mann, der Telefonanrufe von verärgerten Kunden annimmt, die sich beschweren über das, was sie gerade kauften und es zurückgeben möchten. Ich arbeitete mit einer Frau, die auf Händen und Knien einen Holzboden schrubbt. Ich arbeitete mit einem Mann, der sich morgens als erstes von seinem Boss anschreien lassen muss.

Nun ist Herr Yamamoto an der Reihe. Er öffnet seine Aktentasche und lässt  den Stapel unbenoteter Klausuren herausgleiten. Er geht hinüber zu einem Schreibtisch in der Ecke, setzt sich hinter den Schreibtisch, wirft den Stapel Papiere auf den Tisch, zieht einen Bleistift aus seiner Hemdtasche, seufzt tief, und beginnt.

Ich schaue nur, fühle was er fühlt, spüre was geschieht durch meinen gesamten Körper, so wie ich seinen gesamten Körper betrachte. Unter dem Tisch sehe ich seine Füße und Beine einwärts gedreht, besonders sein linkes Bein. Sein Becken rollt zurück. Sein Magen ist eng. Seine Brust ist eingesunken. Sein Kopf sinkt und neigt sich nach links. Sein Körper sieht aus, als würde er weinen, aber Herr Yamamoto weint nicht. Dann sehe und fühle ich es: stumme, verzweifelte Resignation.

Herr Yamamoto kritzelt etwas auf die erste Klausur. „Wie hat Ihr Schüler abgeschnitten?“ frage ich. „D. Nicht gut.“ Herr Yamamoto macht weiter. C. D. C+. F. Er schüttelt seinen Kopf. Er altert vor meinen Augen.

„Herr Yamamoto (so nennt ihn jeder), wie wäre es, wenn ich Ihnen ein wenig helfe?“ „Onegaishimasu“ sagt er, sich leicht verbeugend. „Bitte helfen Sie mir.“ Ich gehe hinter ihn, lege sanft meine Hände an beide Seiten seines Nackens und führe sachte seinen Kopf zurück nach oben. Sein Körper steigt, wie ein Mann, der lange unter Wasser war und endlich hochkommt, um Luft zu holen. Seine Brust schwillt, sein ganzer Körper dehnt sich reflexartig in alle Richtungen. „Zen, zen chigau, waaaaa“ sagt Herr Yamamoto mit einem Ausdruck von Ekstase auf seinem Gesicht. Alle lachen. Ich kann fühlen, wie sehr alle ihn mögen.

„Okay, Herr Yamamoto, zensieren Sie weiter ihre Klausuren und wir schauen, was passiert.“

  1. Alle lächeln, bis auf Herrn Yamamoto. B+. Eeeeeeeeh!?, ein aufsteigender Klang, zu hören, wenn Japaner angenehm überrascht sind. Mehr Lächeln und etwas Lachen, aber nicht von Herrn Yamamoto.
  2. A. A+. A. Nun rollen sich alle buchstäblich vor unkontrollierbarem Lachen auf dem Boden. Es ist nicht zu unterdrücken. Herr Yamamoto jedoch bleibt still und ausdruckslos. Ich bin nicht sicher, was er fühlt. Ich tue mein Bestes, bei ihm zu bleiben, aber das ungezügelte Lachen im Raum ist zu ansteckend. Ich falle ein.

Und plötzlich lacht auch Herr Yamamoto. Er lacht so sehr, dass Tränen seine Wangen hinabrollen. „Vielleicht haben diese verrückten Buddhisten recht“, sagt Herr Yamamoto. „Vielleicht ist die Welt nichts als ein großer Spiegel.“

„Mit dieser Bemerkung lasst uns schließen.“ sage ich. Rasch setzen sich alle in einem Kreis auf den Boden, kniend in Seiza, und verbeugen sich tief. Immer noch von Ohr zu Ohr grinsend rufen wir laut „Domo arigato gosaimashita.“ Vielen, vielen Dank. Wir sind dankbar für das Zusammen­sein, dankbar für unser Lernen, dankbar für etwas Leichtigkeit in unserem Leben, dankbar für Herrn Yamamoto.

Herr Yamamoto wirft sich seinen Schal um den Hals, wirft seine Aktentasche in den Korb, und springt auf sein Fahrrad. Die frische Nachtluft füllt seine Lungen. Der Schnee sieht weißer aus. Er wirbelt; er fällt aufwärts.

 

Japanische Wörter und Phrasen

Bento: eine Sushi-Box zum Mitnehmen

7-Eleven: eine japanische Supermarktkette, geöffnet von 7 bis 23 Uhr

Domo arigato gosaimashita: vielen Dank

Onegaishimasu: bitte hilf mir, bitte nimm dich meiner an

Seiza: traditionelle und förmliche Sitzhaltung, auf dem Boden kniend, Beine eng gefaltet unter den Oberschenkeln, Po auf den Fersen

Zen chigau: völlig anders.

 

Original: Bruce Fertman, aus „Teaching by Hand, Learning by Heart“ Seite 100, „A Little Lightness“

Übersetzung: Matthias Liesenhoff 2018-10-21

A Reading By Jenny Quick – The End of the Road – Written by Bruce Fertman

Photo: B. Fertman

We teach what we most need to learn. At least that is how it is with me.

Have you noticed it’s relatively easy to make good use of Alexander’s work when we are doing well, but nearly impossible when confronted with something truly challenging or threatening? How can we practice sticking to principle under emotionally charged circumstances, when relating to family members, when encountering problems at work, while coping with physical injury and pain, when overwhelmed by stressful thoughts and emotions? LifeWork is a procedure I developed, slowly, over the past 40 years. That is to say LifeWork is a “way of proceeding,” to teach people how to employ Alexander’s teachings when under trying conditions and when faced with harsh realities.

Enjoy listening to Jenny Quick. I do.

A Reading by Jenny Quick – The End of the Road

Text

LifeWork – Taking the Principles beyond the Procedures – Post Graduate Workshop For Alexander Teachers – Led by Robyn Avalon – Sunday, October 14, 2018 – Zurich

This Post Graduate Alexander Workshop offers tools for teaching Alexander’s Principles inside the reality of people’s everyday lives. It is open to Teacher’s from all styles.

Make the Work more accessible and valuable in people’s lives. Students come with real life, complicated situations – deadlines to meet, non-optimal work or home environments, physical and emotional challenges, and more. You come with the ‘means whereby’ through which they can make a change in their use, their thinking, their lives.

Meet your students halfway. Help your students transition from ‘chair work’ to a pressing situation, like working on a deadline with an overbearing boss. Help them access their ease and artistry, not only within an Alexandrian procedure, but also while playing their instrument in an audition.

 

Take the Principles beyond the Procedures.

This is its own sophisticated and unique study. It requires new and different skills, in addition to drawing upon your deep understanding, clear observations and skillful hands.

In this workshop we will:

  • Learn skills for re-creating their actual environment and teaching within that structure.
  • Learn how to use your hands through all areas of the body to access their fundamental ease and coordination.
  • Learn varied styles of teaching in activities.
  • Learn how to realize the ‘critical moment’ where they know they can access a new choice.

Being able to offer a student the tools to make a conscious new choice inside of their personal and professional life situations literally and figuratively brings the Work to life! Students experience the Work as timely and important. It energizes them and fills them with a desire to study.

We know what we have is priceless, and life-altering. Learn how to let them experience this directly.

About Robyn

Robyn has been a student of FM Alexander’s Work for over 40 years. She is the Founding Director of the Contemporary Alexander School, the USA branch of Alexander Alliance International (AAI), offering Alexander Technique Teacher Training in Santa Fe, New Mexico and Portland, Oregon, as well as being on the Core Faculty of the AAI German and Japan schools since their inception.

In addition to training teachers, Robyn travels the world offering beginner through post-graduate workshops in a contemporary presentation of Alexander’s Principles. Robyn enjoys the direct application of the Principles of the Work into people’s real lives, working with people while they do whatever they do. Whenever possible, she likes to travel to where people work and play, which has provided decades of rich and colorful teaching experiences: on a snowy mountain top with skiers, at a symphony rehearsal, at a dentist’s side, in a potter’s studio, on a football field, in a professional kitchen, at a horse arena, in a meditation retreat, on the Pilates Reformer, in a training for cardiac surgeons, rock climbing in the NM mountains, at the circus, and more.

Robyn is the creator of Living in a Body™: The Quintessential Owner’s Guide to Natural Movement, a body mapping professional certification course offered worldwide as well as a series of post-graduate workshops called Ways of Knowing, which provide tools for accessing and incorporating intuition and imagination in the educational process.

Robyn has an extensive background in professional theater and dance, which she brings to her teaching. Her private practice incorporates a unique blend of Contemporary Alexander, Cranial Sacral, Visceral Unwinding, Deep Imagery, Matrix Energetics®, and a life-long study of varied intuitive skills, to create a unique somatic experience. She enjoys teaching the very young and the very old, the absolute beginners and the masters, and everyone in between.

Workshop Details

Open to Alexander Teachers from all styles. Limited number of participants.

Date: 14.10.2018, 10am – 6pm

Location: Zurich (close to stop «Zürich,Kalkbreite/Bhf.Wiedikon»)

Course fee: CHF 160.- (Students CHF 125.-)

Workshop language: English (translation to German possible)

 Individual lessons (CHF 110,-/45ˈ) can be arranged on Thursday, 27.09., Friday 28.09. and Monday 15.10.

Organizer and assistant teacher: Magdalena Gassner

For more information and to register call +41 (0)77 475 50 27 or write to m.gassner@alexanderalliance.de

To learn more about Robyn Avalon and the Alexander Alliance Europe:

www.contemporaryalexander.com

robyn@contemporaryalexander.com

www.alexanderalliance.org

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